Flughafen als Routenplaner
10.01.2011
Dahme-Spreewalds Kreistagschefin Uta Tölpe (SPD) hat Bürgerschaft, Verwaltung und Abgeordnete aufgefordert, Politik im neuen Jahr vorausschauend sowie berechen- und machbar zu gestalten. Der Landkreis habe in den zurückliegenden Jahren eine hervorragende Entwicklung genommen.
Tölpe verglich dabei Dahme-Spreewald mit der Stadt Cottbus, deren Oberbürgermeister Frank Syzamnski (SPD) zu den mehr als 200 Gästen des traditionellen Neujahrsempfanges im Parkhotel in Niewitz gehörte. Mitte der 1990er Jahre war die Stadt noch Vorbild für viele Landkreise. »Cottbus gehört inzwischen leider zu den Schwächsten«, sagte Uta Tölpe, was Szymanski mit gequältem Lächeln quittierte.
Die Kreistagschefin mahnte, zwischen Königs Wusterhausen und Lübben, Luckau und Lieberose den Aufwärtstrend zu sichern. »Viele Probleme haben wir unmittelbar vor der Haustür«, erklärte die Luckauerin. Der Kreis müsse deshalb seine Chancen nutzen und habe dabei in Bau und Betrieb des Flughafens BBI einen »motivierenden Routenplaner«. Auf die anhaltenden Debatten zu den Flugrouten eingehend, sagte Tölpe: »Zum Glück hatte noch niemand die Idee, nach schwäbischem Vorbild den BBI unterirdisch zu bauen.« Landrat Stephan Loge (SPD) erinnerte in seiner Rede Vertreter von Wirtschaft und Banken, Wissenschaft, Naturschutz, Kultur, Sport sowie Politik und Kommunalverwaltungen an die bisherigen Wirkungen des Flughafens. »Etwa 350 Unternehmen aus Berlin und Brandenburg profitieren von den 1,2 Milliarden Euro, die als Vergaben in die Region geflossen sind.« Verschiedene große Studien hätten dem Mittelstand im Kreis gute Aussichten vorhergesagt. Dies werde sich im Mai beim Tag des offenen Unternehmens erneut zeigen. Die Kraft des Landkreises solle ausstrahlen auf die Lausitz: »Wir arbeiten als Region zusammen.«
Loge verwies jedoch auch darauf, dass dem Kreis finanziell »karge Jahre« bevorstehen. Dennoch soll das Sozialpaket mit einem Volumen von gut sieben Millionen Euro möglichst erhalten bleiben, aus dem beispielsweise ein beitragsfreies Kita-Jahr oder der Schülertransport bezahlt worden sind. »Wir wollen, dass junge Leute im Kreis bleiben, und wir wollen ein Miteinander der Generationen.« Dem diene der Ausbau der Infrastruktur, der zügige Wege zur Arbeit in den Speckgürtel ermögliche, genau so aber die Rückkehr an den Wohnort im Süden. Hier gewinne der Landkreis mit Vorhaben wie dem Wasserreich Spree in Lübben und der geplanten Internationalen Naturausstellung in der Lieberoser Heide weiter an Image. Der Landrat würdigte den ehrenamtlichen Einsatz vieler Bürger, hob aber die große Welle der Hilfsbereitschaft nach dem schweren Unglück eines Reisebusses aus Polen im September am Schönefelder Kreuz hervor. Stellvertretend ehrte er mit Veronika Janusch und Roxana Lewandowska-Schmidt zwei junge Frauen, die spontan ihre Unterstützung als Dolmetscherinnen anboten.
Für diese Hilfe dankte auch der Landrat des polnischen Partnerkreises von Dahme-Spreewald, Ryszard Kurp aus Wolsztyn. Die Partnerschaft beider Kreise, die weit über die Verwaltungen hinausgehe, sollen auch nach zehn Jahren weiter ausgebaut werden. Kurp überreichten an Uta Tölpe und Stephan Loge zwei Präsentkörbe mit Produkten polnischer Landwirte, einschließlich »einiger medizinischer Tropfen«. Eine reichhaltige Tafel sorgte dann motivierend dafür, dass den Gästen die Routenplanung zwischen Saal und Buffet im weitläufigen Hotel nicht schwerfiel.
Von Jan Gloßmann
Quelle: Lausitzer Rundschau

